Ella Green     –     Valentinstagsspecial

Die Valentinsüberraschung

 

Ich konnte es noch gar nicht glauben, dass ich nach so langer Zeit meines Singledaseins endlich in einer festen Partnerschaft war. Noch im letzten Jahr, saß ich am Valentinstag alleine mit einer Schachtel Pralinen in meinem Wohnzimmer und war frustriert. All meine Freundinnen waren vergeben und glücklich. Tanja plante ihre Hochzeit, da sie von ihrem langjährigen Freund Andi endlichen einen Antrag bekam. Diana stand kurz vor der Entbindung. Bei ihr und Sascha war es somit bald vorbei mit der Zweisamkeit. Nur ich, Teresa, war Solo und schob einen Valentinsfrust. Amor meinte es nicht gut mit mir und schoss seine Pfeile gezielt an mir vorbei. Dieser Idiot! Doch dann wendete sich das Blatt. Im August hatte Amor endlich sein Ziel nicht verfehlt. Der Pfeil traf mich mitten ins Herz, als ich auf einer Berghütte, nach einem anstrengenden Aufstieg, Daniel kennen lernte. Wie ich machte er eine Wanderung und pausierte auf der Hütte, um die Füße hochzulegen. Hätte er mich nicht angesprochen und mich auf ein Radler eingeladen, dann würde ich noch heute alleine sein.

Daniel war groß, hatte hellblonde Haare und stechend blaue Augen. Diese Augen waren es auch, die mir den Verstand raubten. An diesem schönen Augusttag gingen wir zusammen ins Tal, tauschten unsere Nummern aus und verabredeten uns für den nächsten Tag zum Abendessen. Das war nun schon ein halbes Jahr her. Unsere Herzen hatten sich gefunden und endlich war ich glücklich. Meine Gefühle waren sehr stark für ihn und ich wusste, dass er die Liebe meines Lebens war. Die Schmetterlinge flattern noch immer wie wild in meinem Bauch, wenn ich nur an unseren ersten Kuss dachte.

Für den heutigen Valentinstag hatte er eine Überraschung geplant. Ich sollte um acht Uhr zu ihm nach Hause kommen und mich auf einen schönen Abend freuen. Ich war topgestylt. Meine blonden Haare hatte ich zu Locken frisiert und mein Körper steckte in einem hautengen schwarzen kurzen Kleid. Mein Herz pochte ganz schnell, so aufgeregt war ich, als ich mit zittrigen Händen die Wohnungstür von Daniel öffnete. Er hatte mir vor drei Monaten einen Schlüssel nach machen lassen. „Jetzt hast du nicht nur den Schlüssel zu meinem Herzen, sondern auch zu meiner Wohnung“, hatte er damals gesagt. Ich staunte nicht schlecht, als ich im Flur überall Kerzen sah und auf dem Fußboden eine Spur von Rosenblättern vorfand. Ich folgte dem Rosenmeer, das auf dem Boden lag und mich direkt ins Wohnzimmer führte. Auf dem Esstisch in der Ecke vor der Glasfront, die einen tollen Blick über München bot, stand ein riesiger Strauß roter Rosen. Er wusste, dass meine Lieblingsfarbe Rot war. Der Tisch war wunderschön gedeckt und es machte mich sprachlos, wie viel Mühe er sich gab.

„Hallo Süße“, vernahm ich seine Stimme und drehte mich um.

Daniel stand im Türrahmen und lächelte mich an.

„Das ist alles so schön.“

„Ich hoffe, du hast Hunger“, sagte er und kam auf mich zu.

„Du hast gekocht?“, fragte ich ungläubig, denn er mied die Küche, wie der Teufel das Weihwasser.

„Ich hab für unser Candle Light Dinner bei unserem Lieblingsitaliener was bestellt.“

Daniel wusste ganz genau, dass bei mir Liebe durch den Magen ging.

„Dann bin ich aber gespannt, was du bestellt hast“, antwortete ich ihm.

„Lass dich überraschen“, entgegnete er mir und kam auf mich zu.

Ehe ich mich versah, zog er mich zu sich, drückte seine Lippen auf die meinen und küsste mich voller Sehnsucht und Leidenschaft.

„Ich liebe dich, Teresa“, wisperte er gegen meine Lippen und schob mich zum Tisch.

„Ich dich auch, Daniel.“

Er ließ von mir ab, blickte mir tief in die Augen und deutete mir, mich zu setzen.

Daniel griff nach einer Flasche Sekt, füllte unsere Gläser und reichte mir eines.

„Auf einen schönen Valentinstag“, sagte er und stieß gegen mein Glas.

„Auf einen unvergesslichen Abend“, grinste ich und die Schmetterlinge in meinem Bauch schlugen Purzelbäume.

Ich liebte diesen Mann so sehr und wusste, dass er mich immer auf Händen tragen würde.

„Hast du einen Rosenverkäufer überfallen?“, fragte ich lachend und deutete auf die unzähligen Rosen, die in der Vase kaum Platz hatten.

„Für meine Traumfrau würde ich sogar eine Bank überfallen.“

„Und dann muss ich dich im Knast besuchen“, seufzte ich.

„Ich würde für dich die Sterne vom Himmel klauen, besser?“

„Sehr kitschig“, lachte ich.

Dass er damit nur einen Witz machte, wusste ich, denn wir fanden solche Sprüche wie „Du bist ein Engel, der vom Himmel fiel“ oder „Du hast so leuchtende Augen, wie die Sterne am Himmel“ total doof. Wir surften auf einer Wellenlänge und wussten beide, dass wir auf dieser Welle noch ganz lange reiten würden. Wir waren Seelenverwandte. Daniel beugte sich zu mir hinunter küsste mich wieder und umgriff mit seinen Armen meinen Körper. Mit einer Leichtigkeit hob er mich hoch und trug mich in Richtung Schlafzimmer.

„Ich hab jetzt schon Lust auf Nachtisch“, flüsterte er und legte mich auf das Bett.

„Ich hoffe, du meinst damit nicht Schokolade“, zwinkerte ich ihm zu.

„Du weißt ganz genau, dass ich damit definitiv keine Schokolade meine.“

 

Er kam über mich, küsste meinen Hals und ich wusste, dass wir so schnell nicht zum Essen kommen würden. Aber das war mir egal. Es war das erste Mal, dass ich an einem Valentinstag Sex haben würde. Und das auch noch mit dem Mann, der für mich alles auf der Welt ist.