Karin Koenicke     –     Valentinstagsspecial

Omi ist die Beste

 

Als es klingelte, rannte Maik wie der Blitz zur Tür. Das musste sein Kumpel Rocco sein!

„Haste dat Zeuch?“, fragte Maik, kaum dass Rocco mitsamt seinem abgeschabten Gitarrenkoffer im Flur war.

Rocco schüttelte seine Rastazöpfe. „Ich sags dir: keine Chance! Die Holländer kontrollieren jetzt mit Hunden, da kann ich nicht mal was im Bauch der Gitarre rausschmuggeln.“

„Scheiße. Wie sollen wir jetzt Songs schreiben?“ Maik seufzte tief. Die Akkorde flutschten viel besser, wenn man sich vorher einen Joint ansteckte.

Das erneute Klingeln der Türglocke ließ ihn zusammenzucken. Er lugte durch den Spion und öffnete.

„Oma! Das ist ja ne Überraschung.“ Er ließ die alte Dame, die Gesundheitsschuhe, einen braunen Faltenrock und einen Hut trug, herein.

„Meine Freundin Edna hat mich zum Kaffee eingeladen. Vom Streuselkuchen blieb viel übrig, also habe ich dir was mitgebracht.“ Sie holte ein Paket in Alufolie aus ihrer Tasche.

„Das is echt nett von dir, Omi. Ich hab gerade meinen Kumpel Rocco da, wir schreiben neue Songs.“

„Gut so! Stell dir vor, Junge, ich fahre nächste Woche nach Amsterdam. Der katholische Frauenbund Duisburg macht einen Ausflug. Ich bin schon ganz aufgeregt.“

Holland? Maik sah, dass auch Rocco die Ohren spitzte. Er nahm ihn zur Seite, während er für seine Omi Kaffee aufbrühte.

„Du hast doch einen Kontaktmann dort, oder?“ Offiziell durfte in Holland nichts an Ausländer verkauft werden, aber unter der Hand ging natürlich immer was.

„Klar“, flüsterte Rocco zurück. „Der Maarten. Der verkauft dir alles, was du willst.“

„Schreib mir die Adresse auf!“ Er schob ihm ein Stück Papier hin, dann ging er rüber zu seiner Oma.

„Omi, ihr könnt doch in Amsterdam ein wenig herumlaufen?“

Sie nickte eifrig. „Natürlich. Wir haben Zeit zur freien Verfügung. Da soll es prima Kuchen geben.“

„Könntest du Rocco und mir einen Gefallen tun? Vom Kaffee werden wir immer so nervös vor den Auftritten. Aber in Holland gibt es einen tollen Tee, der uns Musiker beruhigt. Ich gebe dir ein Kuvert mit, da steht alles drin. Du brauchst es nur dem Maarten vom Coffeeshop am Roelensteg in die Hand zu drücken, der gibt dir dann das Teepäckchen.“

„Das mache ich gerne für meinen Lieblingsenkel.“

Spontan sprang Maik auf, gab ihr den verschlossenen Umschlag mit den 300 Euro und einen dicken Kuss auf die Wange.

Eine Woche später marschierte Maik zum Häuschen seiner Oma. Als sie öffnete, drang schrilles Gelächter aus dem Wohnzimmer. „Denk dir nix, das ist nur der Frauenbund“, erklärte sie. „Keine Ahnung, wieso die heute so laut sind.“

Maik war ungeduldig. „Hast du meinen Tee?“

Als Oma ein Päckchen holte, atmete er auf. „Dieser Maarten hat dich betrogen“, sagte sie ernst. „Ich hab vom dem Tee was für meine Freundinnen gemacht, er schmeckt scheußlich. Den Rest des braunen Bröselzeugs habe ich ins Klo gespült.“

„Aber was ist in dem Paket?“, krächzte Maik entsetzt.

 

„Zitronenverbenen aus meinem Garten. Absolut bio und gesund. Die beruhigen euch vor einem Auftritt sicher genauso gut, wirste sehen!“