Ein Leben - viele Wege

 

Mein Weg verlief selten gerade, oft schimpfte ich darüber, verfluchte alles und jeden. Heute erkenne ich jedoch, dass ich ohne all dies niemals die Person geworden wäre, die ich heute bin. Und ehrlich gesagt, finde ich mich ganz ok so ;-)

Ich stand bereits in ungewöhnlich jungen Jahren auf eigenen Beinen, nahm viele Umwege und Schlenker in Kauf. Mein Wille, unbedingt die mittlere Reife zu erlangen, kämpfte ständig gegen den Hang, nichts dafür tun zu wollen. Andere "Dinge" erschienen oft wichtiger, oder aber das Leben selbst kam mir in die Quere, doch letztendlich erreichte ich ihn, so gerade eben. Als ich danach endlich mit der Ausbildung zur Krankenschwester am Hafenkrankenhaus Hamburg starten konnte, war ich wirklich happy! Ein absoluter Traum ging in Erfüllung. Nicht nur, dass ich bereits seit meinem 1. Schulpraktikum in der 7. Klasse davon träumte, nein, besonders das Hafenkrankenhaus auf dem Hamburger Kiez hatte es mir angetan. Die unvergleichliche Mischung von Patienten (Obdachlose, Touristen, Kiezbewohner, "Normalos" und gut betuchte Bewohner dieser Stadt) besaß einen ganz eigenen Charme. So vielfältig und bunt wie das Leben selbst - und in ihren Betten liegend (oder mit mir eine Zigarette rauchend) waren sie alle gleich.

Leider lernte ich hier eine weitere Schattenseite des Lebens kennen, oder besser gesagt, dessen elendiges Ende. Im ersten Lehrjahr gab es drei einschneidende Erlebnisse, die mich sehr hart trafen. Als dann plötzlich auch noch die Schließung der Klink drohte, brach alles auseinander. Wir demonstrierten, streikten, hofften - leider vergeblich. Das Hafenkrankenhaus wurde geschlossen und ich kündigte. Alles zusammengenommen sollte es wohl einfach nicht sein ...

Danach trieb ich irgendwie einfach nur so dahin, meines Traumes plötzlich beraubt, hatte ich absolut keine Ahnung mehr, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Da ich jedoch meine Unkosten irgendwie abdecken musste, kam schlappmachen für mich gar nicht in Frage. Bereits zwei Tage später begann ich Vollzeit in einem Supermarkt zu arbeiten, völlig egal, Hauptsache die Miete war erst einmal gesichert. Nebenbei, sozusagen als Ausgleich des schnöden Alltags, jobbte ich in einer Musikkneipe, sooo herrlich - Ich liebe Musik!

 

Nachdem ich mein Leben auf diese Weise eine Weile genossen hatte, kehrte mein Anspruch an mich selbst zurück. Ich musste irgendetwas anfangen, etwas Richtiges. Mein kaufmännisch orientierter Abschluss gab letztendlich den Ausschlag, gleichgültig war plötzlich, dass ich niemals ein "Sesselpupser" werden wollte ...
So aber kam es, dass ich mich bewarb, gleichgültig wo, oder als was. Bürokauffrau, Speditionskauffrau, Schifffahrtskauffrau, Bankkauffrau, und, und, und, Hauptsache eine anerkannte Berufsausbildung. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich nicht einmal die Unterschiede aller Berufe ... Schließlich begann ich meine Lehre zur Bürokauffrau in einem großen Hamburger Unternehmen, die ich nach 3 Jahren sehr erfolgreich abschloss -  mein Ehrgeiz war zurückgekehrt. *yeah!* Die "Pause" hatte mir wirklich gut getan. Das sehe ich noch immer so. Manchmal benötigt der Mensch einfach eine Auszeit - oder eben einige kleine und manchmal auch größere Schlenker. 
Die Firma übernahm mich und so blieb ich ...

 

Ich arbeitete und lebte mein Leben. Der Job machte Spaß, Erfüllung jedoch, dieses Gefühl verließ mich mit Beendigung meiner Lehre zur Krankenschwester und war schon bald vergessen. Dann aber entdeckte ich es rein zufällig wieder. Als ich im Jahr 2015 immer unzufriedener mit meiner Arbeit wurde, weil mir die Perspektiven fehlten, dachte ich, dass man diesen ganzen "Kram" in meinem Kopf mal rauslassen müsste - und so begann diese Reise am 13. Mai 2015. Plötzlich lernte ich eine ganz andere Welt kennen. Ich fand etwas, das andere Arbeit nennen, für mich aber sehr viel mehr ist - EINFACH ALLES! Zu Schreiben beschwingt mich, erfüllt mich vollkommen und macht mich unsagbar glücklich – allein das ist unbezahlbar und mein großes Wunder!